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Vorwort Schweizerische Kriminalprävention

Martin Boess
Geschäftsleiter der SKP PSC

„Ich habe bisher über 50‘000.— einbezahlt, damit mein Gewinn endlich ausbezahlt wird. Glauben Sie, dass ich noch auf eine Auszahlung meines Gewinns zählen kann?“ So oder ähnlich tönt es immer wieder von Menschen, die bei der Schweizerischen Kriminalprävention anrufen und um Rat fragen. Wöchentlich erhalten wir mehrere Anrufe von Menschen, die auf immer neue Formen von Betrug hereingefallen sind; oft unterscheiden sich die Betrugsformen nur geringfügig voneinander und sind seit Jahren bekannt – auffallend häufi g wird der Betrug übers Internet initiiert.
Erstaunlicherweise sind die meisten Betrugsopfer extrem anfällig für Betrugsversuche aus dem Internet. Alle Vorsicht wird da vergessen und freiwillig werden Adressdaten, Kontodaten und viele intime Kenntnisse weitergegeben, um an vermeintlich grosse Gewinne zu gelangen. Dabei vergessen die Opfer dann, dass die Täter diese Informationen weitergeben können und sie dadurch noch einmal bedeutend anfälliger für neue Betrugsaktionen sind: Die Täter können eine grosse Vertrautheit mit dem Opfer vorlügen, und das Opfer wähnt sich in vermeintlicher Sicherheit.

Oft werden wegen einiger Franken mehr beim Verkauf eines alten Autos dubiose Arrangements mit dem Käufer eingegangen: Käufer aus Afrika senden einen Scheck über einen viel höheren Betrag als beim Verkauf des Autos abgemacht und bitten, den Überschuss dem Spediteur mitzugeben. Und der Verkäufer fi ndet dann heraus, dass der Scheck überhaupt nicht
gedeckt war: Das Auto ist weg und damit auch noch der Geldbetrag, der dem Spediteur mitgegeben wurde.

Lotteriegewinne aus dem Ausland bringen die Betrugsopfer häufi g dazu, grosse Geldsummen ins Ausland zu zahlen, damit der Gewinn endlich aus dem Ausland in die Schweiz ausbezahlt werden kann: Aber keines der Betrugsopfer fragt sich, wieso eine ausländische Lotterie einen Gewinn in die Schweiz ausbezahlen sollte, auch wenn das Opfer nie ein Los bei dieser Lotterie gekauft hat.

Ganz viel Geld wird „investiert“, um grosse Vermögen aus einem Land zu bringen. Dabei wird das Betrugsopfer gebeten, ein Bankkonto in der Schweiz zur Verfügung zu stellen, auf welches dann Millionen von Franken gebucht würden. Von diesem Bankkonto werde das Geld dann weiterverschoben, aber „die Dienstleistungen“ würden mit einem hohen Prozentsatz, typischerweise mit 10% des Vermögens „vergütet“. Bis das „Vermögen“ aus dem Ausland in der Schweiz eintrifft, sind dann oft Zahlungen für Anwaltskosten, Banktransfer etc. zu leisten. Viele Opfer haben hundert- Vorwort Schweizerische Kriminalprävention 12 Mehr Informationen unter www.den-trick-kenne-ich.ch tausende von Franken ins Ausland geschickt und dann auf den erhofften Geldsegen gewartet – und nie haben die Opfer auch nur einen Rappen des versprochenenen Geldes gesehen.

Vielfach werden sich die Opfer des Betrugs bewusst. Scham ist einer der Gründe, wieso nicht häufiger über solche Vorfälle gesprochen wird. Über Einbruch oder Diebstahl wird oft diskutiert und auch darüber, wie man sich schützen kann. Aber Scham über seine eigene Gier, die einen dazu verleitet hat, auf einen ganz unverschämten Betrug hereinzufallen, lässt
das Opfer schweigen. Viele Betrugsversuche werden nicht bei der Polizei angezeigt, auch weil der Betrug im Ausland stattgefunden hat und die Betrüger gar nicht mehr zu fi nden sind. Dabei gibt es offenbar viele Betrugsopfer:
Diese könnten sich organisieren und gemeinsam versuchen, gegen die Betrüger vorzugehen oder wenigstens darüber zu informieren, wie die Betrüger vorgegangen sind, damit solche Betrugsformen in der Schweiz zukünftig keine Chance mehr haben.

Obschon wir keine statistischen Daten über den Umfang der Betrugsvorfälle besitzen, stellen wir immer wieder fest, dass viele Menschen Opfer eines Betrugsfalls geworden sind. Wir können nicht mehr über alle Betrugsdelikte informieren, es sind mittlerweile zu viele. Deshalb haben wir uns überlegt, wieso Menschen zu Betrugsopfern werden: Es ist immer eine Kombination von Betrugsmerkmalen, -situationen und Persönlichkeitsmerkmalen, welche eine Person für einen Betrugsversuch verwundbar machen.

Im Folgenden haben wir für Sie diese Betrugsmerkmale, Betrugssituationen und Persönlichkeitsmerkmale zusammengestellt, welche auch Sie vielleicht eines Tages zu einem Betrugsopfer machen können. Lesen Sie sich unsere Informationen aufmerksam durch und wenn Sie das nächste Mal das Gefühl haben, ohne grossen Aufwand schnell sehr reich werden
zu können, erinnern Sie sich hoffentlich an unsere Informationen. Nehmen Sie sich Zeit und überdenken Sie noch einmal, wieso gerade Sie so unverhofft profitieren können. Lassen Sie sich nicht drängen und stimmen Sie einem Vertragsabschluss erst zu, wenn Sie mindestens eine Nacht darüber geschlafen haben. Am nächsten Tag sieht der unverhoffte Gewinn dann vielleicht gar nicht mehr so interessant aus.

Martin Boess
Schweizerische Kriminalprävention