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Ausgangslage

«Jugendgewalt» wird als solche erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts als gesellschaftliches Risiko wahrgenommen. Erklärungsmodelle beziehen sich u.a. auf Arbeitslosigkeit, soziale Schicht und Armut, auf neue Muster von Freizeit- und Unterhaltungsaktivitäten, die Zunahme von Gewaltdarstellungen in den Medien, veränderte familiäre Umstände und männliche Sozialisation. An Einzelfällen orientierte und über Medien vermittelte Informationen über Ausmass und Formen von Jugendgewalt bzw. -kriminalität müssen aber keineswegs mit den realen Entwicklungen deckungsgleich sein. Jugendgewalt stellt nach wie vor nur einen kleinen Teil der Gewaltausübung in der Gesellschaft dar.

Immerhin legen die Statistiken den Schluss nahe, dass die Gewaltbereitschaft Jugendlicher in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. So lässt sich der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) entnehmen, dass von 1999 bis 2006 die Ermittlungen gegen minderjährige Täter kontinuierlich und markant zugenommen hat – Körperverletzung: Zunahme von 760 auf 1'525; Drohung: Zunahme von 405 auf 869. Auch die Anzahl der Jugendstrafurteile wegen Gewaltdelikten hat im gleichen Zeitraum von 1'241 auf 2'268 Verurteilungen deutlich zugenommen (einfache Körperverletzung: Zunahme von 288 auf 638; Drohung: Zunahme von 148 auf 317). Kriminalstatistiken (wie z.B. die Polizeiliche Kriminalstatistik, die Opferhilfestatistik und die Jugendstrafurteilsstatistik) sind jedoch nur begrenzt nützlich, um das Phänomen «Jugendgewalt» differenziert verstehen und bewerten zu können. Art und Umfang der registrierten Kriminalität werden vom Anzeigeverhalten der Bevölkerung sowie von der Strafverfolgung durch die Polizei bestimmt. Vorsicht bei der Interpretation der Daten ist deshalb dringend geboten.

Auch der im Juni 2007 publizierte Bericht des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartments (EJPD) «Jugendgewalt: Ausmass, Ursachen und Massnahmen» (EJPD 2007) hält fest, «dass Ausmass und Entwicklung von Jugendgewalt auf der Grundlage der bestehenden Daten nicht zuverlässig abzuschätzen sei. Angstmacherei wäre also sicherlich fehl am Platz.» Andererseits betont das EJPD, dass das Problem Jugendgewalt nicht verharmlost werden dürfe und es in einem Ausmass bestehe, das bei Teilen der Bevölkerung Ängste hervorrufe. Im Übrigen lassen die bestehenden Statistiken mindestens vermuten, die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen sei in den letzten Jahren angestiegen.

Präventive Aufgabe der kantonalen Polizeikorps

Die Kernaufgabe der Polizei besteht darin, ihre repressive und präventive Aufgabe im Rahmen der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung wahrzunehmen. Die Polizei erfüllt ihren Auftrag im 24-Stunden-Betrieb und ist im Rahmen ihrer Auftragserfüllung auf ein gut funktionierendes Netzwerk mit staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen und Organisationen angewiesen.

Im präventiven Bereich hat sie die Aufgabe, die Öffentlichkeit und die relevanten Zielgruppen, also z.B. Fachpersonen, die sich um geschädigte Personen, Opfer, Täter auf lokaler und regionaler Ebene kümmern, und die kantonalen Jugenddienste, die Strassenarbeiter, die kantonalen Jugenddelegierten und Integrationsdelegierten sowie die Bereiche Schule, Eltern und Freizeit in ihre Arbeit einzubeziehen, zu sensibilisieren und zu informieren.

Die Mitarbeitenden der Polizeikorps sollten in ihrer täglichen Arbeit die Präventionsüberlegungen pflegen, ihren Aufgabenbereich genau kennen und wissen, für welche Aufgaben Berufsleute aus den Bereichen Ausbildung, Erziehung, Fürsorge und Betreuung verantwortlich sind.

Siehe dazu Teil I des Massnahmeplans (in der Box rechts).

Breit gefächertes Angebot von Präventionsmassnahmen auf kantonaler Ebene

Die seit Jahren anhaltende Diskussion zum Thema «Jugend und Gewalt» hat dazu geführt, dass heute in der Schweiz ein breit gefächertes institutionelles Angebot an Fachstellen und Massnahmen zur Prävention und Intervention im Gewaltbereich besteht. Hinzu kommen zahlreiche Projekte und Programme, die von spezialisierten Anbietern durchgeführt werden. Siehe dazu Teil II des Massnahmenplans (in der Box rechts).

Strukturelle Probleme bei der Planung und Umsetzung von Massnahmen gegen die Jugendgewalt

Die Planung und Umsetzung von Massnahmen gegen die Gewalt von Jugendlichen wird erschwert durch eine Reihe von strukturellen Problemen, die es in Zukunft von der Politik zu lösen gilt. Es sind dies die folgenden Aspekte:
  1. Die Grundlagen für die polizeiliche Präventionsarbeit sind auf nationaler Ebene nicht einheitlich.
  2. Die Terminologie zur polizeilichen Präventionsarbeit ist nicht einheitlich.
  3. Das Verständnis der polizeilichen Präventionsarbeit ist sehr unterschiedlich und somit auch die Rolle, welche die Polizei in diesem Bereich übernehmen kann.
  4. Die Aufgaben der Polizeikorps werden in den Kantonen unterschiedlich gewichtet. Es gibt auffallende Unterschiede zwischen den Kantonen bei der Gewichtung von Repression und Prävention und z.B. bei der Zusammenarbeit mit der Schule.
  5. Die Bedeutung bzw. die Interpretation der Daten aus dem Hell- und dem Dunkelfeld ist nicht geklärt.
  6. Die Bedeutung jugendlicher Intensivtäter für den Bereich «Jugend und Gewalt» ist nicht geklärt.
  7. Die Aufgabenteilung unter den kantonalen Behörden sowie zwischen den Behörden und den nichtstaatlichen Organisationen ist nicht geklärt.
  8. Die Statistiken zur Erfassung der Jugenddelinquenz sind nicht einheitlich. Polizei und Justiz nutzen unterschiedliche Systeme.
  9. Polizei und Justiz verwenden unterschiedliche Systeme zur Erfassung der Jugenddelinquenz. Das führt dazu, dass die Jugenddelinquenz unterschiedlich interpretiert und kommuniziert wird.
  10. Die Verteilung der Zuständigkeit zwischen Kantonen und dem Bund für den Bereich «Jugend und Gewalt» wird unterschiedlich interpretiert. 
  Erstellt am: 07.09.2010 | Geändert am: 21.08.2015

Newsblog

FAQ

FAQ zum Thema «Jugendgewalt».

Wie gross ist der Anteil der Intensivtäter am Gesamtteil der Jugendkriminalität?
Hat die Gewaltbereitschaft zugenommen?
Hat die Gewalt unter Jugendlichen in den vergangenen 10 Jahren zugenommen?
Was ist unter Hell- und Dunkelfeld (der Kriminalität) zu verstehen?
Kann man in den nächsten Jahren mit einer Vereinheitlichung der Erfassungssysteme rechnen?
Warum nutzen Justiz und Polizei unterschiedliche Systeme der Erfassung?
Auf Grund von welchem Präventionsverständnis wird dieser Massnahmenplan realisiert?
Welche Themen werden im Massnahmenplan berücksichtigt? Die Gründe für Jugendgewalt sind ja sehr vielschichtig.
Sind Jugendliche mit Migrationshintergrund gewaltbereiter als Jugendliche mit einem Schweizer Hintergrund?
Wo liegt das Hauptgewicht bei den Präventionsmassnahmen der Polizeikorps?
Was versteht die SKP unter Jugendgewalt?
Wer ist für die Prävention der Jugendkriminalität eigentlich zuständig? Der Bund? Die Kantone? Die Gemeinden?
Wo liegt das Schwergewicht bei der Prävention von Jugendgewalt? Bei der Repression? Bei der Prävention?
Welche Rolle hat die Polizei bis anhin in Bezug auf Jugendgewalt wahrgenommen?
Welche Rolle hat die Polizei bei der Prävention von Jugendgewalt zu erfüllen?
Die Grundlagen für die polizeiliche Präventionsarbeit sind gesamtschweizerisch nicht einheitlich. Was unternimmt die SKP dagegen? Was kann sie überhaupt tun?
Auf Grund welcher Entscheidungen wird mit der Realisierung des Massnahmenplans begonnen?
Wer garantiert die fachliche Qualität der Arbeit?
Mit welchen nationalen Organisationen/Institution arbeitet die SKP zusammen?
Warum nimmt sich die SKP in diesem Jahr dem Thema Jugend und Gewalt an? Das Phänomen ist doch nicht neu.
Wird der Massnahmenplan in Absprache mit den kantonalen und städtischen Polizeikorps realisiert?

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