Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen), Zur Suche, Zur Sprachauswahl, Zu wichtigen Links, Zu zusätzlicher Information (Inhalt überspringen) Zur Hauptnavigation,

A A A

Gute Karten, schlechte Karten

Einführung in das Thema Zivilcourage | Der Film «Rote Karte» zum Thema Zivilcourage | Gute Karten, schlechte Karten |
Keine Angst vor Zivilcourage! | Was kann ich tun? | Die Rolle der SKP | Informationen Adressen

Sie haben soeben unseren Spot gesehen und fragen sich, was wir damit aussagen wollen, und warum Zivilcourage immer mit Respekt und Toleranz zu tun hat?

Zunächst vielleicht ein kurzer Blick darauf, was in diesem abstrakt-absurden Filmchen nicht ausgesagt wird.

Erstens: Es gibt natürlich gar kein Kartenspiel, bei dem es darum geht, sich mit bösen Wörtern gegenseitig zu übertrumpfen – deren Liste sich übrigens beliebig erweitern liesse, z.B. mit «Intoleranz», «Rücksichtslosigkeit», «Bosheit», «Hinterhältigkeit» usw. Schon deshalb ist die gezeigte Situation absurd und wird Ihnen im richtigen Leben wohl kaum begegnen. Und es wird auch nicht von Ihnen verlangt, dass Sie ab jetzt mit einer riesigen roten Zivilcourage-Karte durch die Gegend laufen und fremde Leute beim Jassen erschrecken… Nein, denn im Film bleibt es bei den abstrakten Begriffen, im richtigen Leben jedoch geht es um echte, konkrete Problemsituationen. Um Situationen, in denen sozusagen gelebte Intoleranz, Rücksichtslosigkeit, Bosheit usw. eine Rolle spielen und deshalb auch mit echter Zivilcourage zurückgedrängt werden müssen.

Und zweitens, ein Wort zur Schlusszene, als die Wirtin unserem jungen Mann das Rauchen verbietet: Hier sollen weder der unüberlegte Griff zur Zigarette noch die berechtigte Rüge angeprangert werden. Allerdings könnte man durchaus die Frage stellen, warum die Wirtin erst jetzt, bei seinem Fehlverhalten, eingreift und nicht schon vorher, beim bösen Spiel der bösen Herren.
Kann es daran liegen, dass sie sich beim Rauchverbot auf ein klar formuliertes Gesetz berufen kann, während sich die Begriffe der bösen Herren oft in einer rechtlichen Grauzone befinden? Denn: «Ist es einfach nur ein lustiger Witz mit einem Schwarzen, einem Chinesen, einem Juden und einem Araber, oder ist es schon Rassismus?»; «Ist das peinliche Betriebsfest-Foto an der Pinnwand eine harmlose Neckerei unter guten Kollegen, oder ist es schon Mobbing?»; «Schnitzen da einfach zwei Verliebte ihre Namen in einen wertlosen alten Tisch, oder ist es schon Vandalismus?»; «Ist es ein anerkennender Schulterklopfer des Chefs für gute Arbeitsleistung, oder ist es eher ein unangebrachtes Streicheln, also schon sexuelle Belästigung?» Immer kommt es auf den Zusammenhang und die Umstände an – auch das macht es ja so schwierig.

Und schliesslich könnte man noch fragen, wie der junge Mann jetzt wohl reagieren wird: Wird er die Zigarette ausmachen und sich entschuldigen? Wird er weiterrauchen, aber kopfschüttelnd und grusslos den Saal verlassen? Wird er die Wirtin in eine Diskussion verwickeln? Oder wird er mit einer weiteren Riesenkarte versuchen, auch die Wirtin wegzupusten? Und was könnte dann auf dieser Karte stehen? «Ziviler Ungehorsam»? Oder «Trotz»? Oder «Dummheit»? Fragen, die an dieser Stelle ruhig offen bleiben dürfen…

Konzentrieren wir uns lieber auf diejenigen Aspekte, die sowohl in der Filmszene als auch im richtigen Leben für die Zivilcourage von Bedeutung sind:

1. Der junge Mann ist aufmerksam: Er schaut hin, nicht weg.
2. Er überprüft, ob demokratische Grundwerte tatsächlich verletzt werden.
3. Er steht zu diesen Werten, überwindet seine Furcht und mischt sich ein.
Dabei sind es namentlich zwei Haltungen bzw. Verhaltensweisen, die  er einfordert, um die Werte zu verteidigen: Respekt und Toleranz.

Respekt

Respekt bedeutet «Rücksicht» und lenkt den Blick von den eigenen Interessen auf die Interessen der anderen. Das setzt voraus, dass sich die anderen grundsätzlich immer im Besitz von Rechten befinden, die es auch für mich zu achten gilt und die allenfalls mit meinen eigenen in Einklang zu bringen sind – wieder eine zutiefst freiheitlich-demokratische Rechtsvorstellung. So sollte rücksichtsvolles Verhalten das Zusammenleben überall erleichtern können, im Strassenverkehr und in der Familie, beim Business wie beim Sport, zwischen den Geschlechtern und zwischen den Generationen. Natürlich nur, wenn die Rücksichtnahme nicht einseitig, sondern in alle Richtungen und von allen Beteiligten praktiziert wird.

Doch der Begriff Respekt wird gerne missbraucht: Wenn z.B. eine Rockerbande mit zwanzig gewaltbereiten Mitgliedern in eine Bar kommt und «Respekt» verlangt, dann ist das lediglich ein Hinweis auf ihre behauptete Überlegenheit für den Fall einer körperlichen Auseinandersetzung. «Zeige Respekt!» soll hier heissen: «Wir sind stärker, unterwirf dich!» Auch in der Jugendszene – nicht selten, wenn es einen Migrationshintergrund gibt, und üblicherweise in Bezug auf religiöse und familiäre Zusammenhänge («Du hast meine Religion beleidigt!» oder «Du hast meine Mutter beleidigt!») – ist der Vorwurf von Mangel an Respekt zumeist nur ein Vorwand und eine Rechtfertigung für brutale Gewalthandlungen. Mit Respekt hat das alles nichts zu tun.

Echter Respekt ist immer gegenseitig und kann nicht durch Einschüchterung und Drohung erzwungen werden. Echter Respekt ist an die Menschenrechte gebunden und achtet die Würde des Menschen.

Toleranz

Toleranz bezeichnet eine positive, freiheitsliebende und die Gleichberechtigung anerkennende Einstellung, kann aber schnell ins Gegenteil verkehrt werden. Dann gilt plötzlich wieder die «Null-Toleranz» als erstrebenswert…
Toleranz kommt vom lateinischen Verb tolerare (= ertragen, aushalten) und heisst ursprünglich soviel wie Geduld oder Duldsamkeit. Doch darüber, was denn nun geduldig ertragen werden soll, gehen die Meinungen in den Kulturen erheblich auseinander.

Während die einen z.B. den Anblick einer Moschee in ihrer kirchlich geprägten Landschaft als unerträglich empfinden, können die anderen bereits den Anblick eines lächelnden Frauengesichts in der Öffentlichkeit nicht aushalten, ohne dass – ja was eigentlich? Die einen verlangen, dass man ihre Intoleranz tolerieren soll, da sie glauben, diese sei gottgewollt. Und die anderen glauben, dass man bereits den Glauben an gottgewollte Intoleranz nicht einfach tolerieren sollte. So kommen wir nicht weiter.

Am besten koppeln wir den Begriff der Toleranz in unserem freiheitlichen, demokratischen und rechtsstaatlichen Gemeinwesen an die Menschenwürde und die Menschenrechte, sozusagen als kleinstem gemeinsamen Nenner. Was diesen zuwiderläuft, ist nicht mehr tolerierbar.


Doch abgesehen von den grossen politischen und religiösen Fragen hat Toleranz noch eine ganz praktische Bedeutung im Alltag. Toleranz heisst auch einfach: Grosszügigkeit. Wer tolerant ist, vermeidet Überreaktionen, Kleinlichkeit und Rechthaberei. Man muss nicht immer gleich die Polizei rufen, wenn die Party des Nachbarn auch nach 23 Uhr noch deutlich zu hören ist. Vielleicht sollten wir einfach mal hinübergehen und ein Gläschen mittrinken… Man muss auch nicht gleich giftig werden, wenn sich jemand beim Bäcker vordrängelt; vielleicht hat er es wirklich nicht mit Absicht getan! Toleranz schützt vor Verspiesserung und Denunziantentum. Wer es sich zum Hobby macht, seine Mitmenschen beim falschen Parkieren zu erwischen und anzuzeigen, tut weder sich noch der Demokratie einen Gefallen. Wer seine Kolleginnen und Kollegen ständig kritisiert und auf ihre Fehler hinweist, wird einsam. Übrigens hat auch der junge Mann in unserem Film zunächst versucht, tolerant zu bleiben, und ist erst aufgestanden, als er zum dritten Mal gestört wurde.

Aber: Toleranz hört dort auf, wo Vorurteile sichtbar, Rücksichtslosigkeit systematisch und Belästigung absichtlich werden
. Natürlich auch bei inakzeptablen Meinungsäusserungen, also z. B. wenn jemand sich mit rassistischen Witzen profilieren will oder im Vorbeigehen einen Völkermord leugnet. Und sowieso dort, wo echte Gefahr für Leib und Leben droht, wo Gewalt ins Spiel kommt. Bis dahin jedoch sollten sich alle – so gut es geht – um Toleranz bemühen!

Erstellt am: 07.09.2010 | Geändert am: 21.08.2015

Broschüre bestellen


Newsblog

Downloads

Adressen



Abonnieren

Twitter

Facebook

Top Adressen

Top 10 häufig gestellte Fragen

Top 10 Downloads



Thumbnail Screenshots by Thumbshots