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Einführung in das Thema Zivilcourage

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Warum beschäftigt sich die Schweizerische Kriminalprävention mit Zivilcourage? In anderen Worten: Was hat Zivilcourage mit der Prävention von Straftaten zu tun?
Zivilcourage ist ein grosses Thema. Es immer wieder aufs Neue hochaktuell und betrifft nicht nur eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, sondern wirklich alle Bürgerinnen und Bürger, die in einem friedlichen, demokratischen und rechtsstaatlichen Gemeinwesen leben – und weiterhin gerne leben wollen! Darum betrifft es auch Sie und uns!

Was heisst Zivilcourage, und wofür braucht es sie?

Das Wort Zivilcourage entstand im 19. Jahrhundert und setzt sich zusammen aus lateinisch civilis (= bürgerlich) und französisch courage (= Mut), das wiederum auf das lateinische cor (= Herz) zurückgeht; wir kennen im Deutschen ebenfalls die «Beherztheit». Zivilcourage bedeutet also wörtlich «Bürgermut»: mutiges Verhalten in einer eigentlich friedvollen, zivilen Lebenswelt, ganz im Gegensatz etwa zum Mut eines Soldaten im Krieg. Damit ist gemeint, dass es nicht immer schon grösstmögliche Gefahrensituationen braucht, um Mut zu beweisen – was die meisten Menschen ja auch dann nur notgedrungen tun, wenn überhaupt.
Sondern umgekehrt: Der zivilcouragierte Bürger begibt sich durch sein Verhalten gewissermassen absichtlich, um nicht zu sagen mut-willig in eine Gefahr, aber er hilft auf diese Weise, die friedliche Ordnung seiner Umwelt zu bewahren. Er geht aufmerksam durchs Leben und mischt sich ein, sobald er merkt, dass jemand ungerecht behandelt wird, auch wenn das mit einem Risiko für ihn selbst verbunden ist. Wenn zwei sich streiten, schaut er nicht weg.
Der nicht-couragierte Bürger hingegen, der sich bei Problemen einfach abwendet, nicht Stellung bezieht, nicht hilft und nicht eingreift, der entgeht zwar vielleicht einer momentanen Gefahr für sich selbst, aber er unterstützt damit indirekt die Kräfte, die schliesslich auch seinen bürgerlichen Frieden bedrohen.

Heisst Zivilcourage zeigen, sich in Gefahr bringen?

Die Gefahren, die man eingeht, wenn man Zivilcourage zeigt, sind in der Regel alles andere als lebensbedrohlich! Man geht also meistens kalkulierbare, oft nicht mal eine besonders grosse Risiken ein, wenn man zivilcouragiert handelt. Auf welche Weise man jeweils konkret eingreift, muss allerdings gut überlegt und verhältnismässig sein. Wenn Sie z. B. beobachten, wie eine alte Dame im Bus von einer Gruppe jugendlicher Schläger angepöbelt wird, dann ist es sicher keine gute Idee, dass Sie, mit Ihrer Handtasche wedelnd, dazwischengehen – zumal wenn Sie selbst die 80 bereits überschritten haben. Doch natürlich sollten Sie sofort die Polizei rufen und ihre Mitmenschen in der Nähe auf die Situation aufmerksam machen!

Wie steht es um die Zivilcourage in unserer Gesellschaft?

Man kann sogar sagen: Dort, wo es lebensgefährlich geworden ist, Zivilcourage zu zeigen, ist die Gesellschaft bereits auf dem besten Wege, ihre demokratische Ordnung zu verlieren. In Europas Metropolen sind mittlerweile Parallelgesellschaften entstanden, die sich der Kontrolle durch rechtsstaatliche Organe weitgehend entziehen können, und auch in so manchem entlegenen Dorf «regelt man Probleme lieber unter sich». Dabei kommen antidemokratische Tendenzen längst nicht immer nur von «unten», aus radikalisierter Bevölkerung, sondern in letzter Zeit verstärkt auch wieder von «oben», von den Regierungen selbst: Mitten in Europa gibt es Bestrebungen, Minderheiten auszugrenzen, Gleichberechtigung abzuschaffen und Freiheitsrechte zu beschneiden!
Zivilcourage hat also auch eine politische Dimension. Noch ist das Kind zwar nicht in den Brunnen gefallen, aber vielerorts balanciert es deutlich sichtbar am Abgrund. Deshalb ist Zivilcourage so wichtig: Zivilcourage ist immer vorher. Eben bevor das Kind in den Diktatur-Brunnen fällt. Nachher gibt es dann allenfalls Widerstand in einem Unrechtsstaat. Und Widerstand zu leisten – unter Lebensgefahr –, ist hundertmal schwerer, als vorher Zivilcourage zu beweisen!

Wir wollen keine Helden. Wir wollen Zivilcourage!

«Unglücklich das Land, das Helden nötig hat», schrieb Bertolt Brecht.
Menschen, die Zivilcourage zeigen, gehen immer auch ein Risiko ein. Auch wenn der Frieden gross und die Demokratie völlig intakt ist, gibt es keine Garantie, dass man aus jeder Konfliktsituation unbeschadet wieder herausfindet. Und leider hört man auch von prominenten Fällen, bei denen Menschen, die sich irgendwo mutig eingemischt hatten, verprügelt oder sogar umgebracht wurden. Das passiert selten – und ist vor allem kein Argument gegen Zivilcourage, sondern dafür! Schaut man sich nämlich solche Fälle genauer an, stellt man fest, dass die Gewaltexzesse nur deshalb möglich waren, weil die wenigen mutigen Menschen allein gelassen wurden von den vielen nicht-mutigen Menschen drumherum! Später heisst es dann gerne: «Er war ein Held.» Doch das wollte er gar nicht sein. Es wäre ihm lieber gewesen, wenn man ihn unterstützt und nicht einfach im Stich gelassen hätte!
Am besten lassen wir es gar nicht so weit kommen, dass solche Helden nötig werden, also dass Menschen sich für andere Menschen «opfern» müssen, nur weil sie für demokratische Grundwerte und Menschenrechte eintreten! Das setzt natürlich voraus, dass es eine Mehrheit in der Bevölkerung gibt, die diese Rechte und Werte nicht nur theoretisch «irgendwie eher befürworten» würde, sondern ganz praktisch danach lebt, sie verinnerlicht hat und sich auch sofort persönlich angegriffen fühlt, wenn sie verletzt werden. Egal wo, wann und von wem.

Um welche Werte und Rechte geht es eigentlich?
Die Werte und Rechte , um die es hier geht, heissen unter anderem: Recht auf Freiheit, Recht auf Gleichheit, Recht auf körperliche Unversehrtheit. Kein Mensch darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Hautfarbe, seiner sexuellen Orientierung, seiner politischen, religiösen oder sonstigen Meinungen und Überzeugungen benachteiligt werden, nicht im Beruf und nicht im privaten Leben. Es geht um das wohlbekannte Prinzip «Leben und leben lassen». Es geht um die goldene Ethik-Regel «Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu.» Es geht letztlich um die Würde des Menschen.

An dieser Stelle sollten Sie sich einmal selbst ehrlich fragen: «Sind all diese Werte eigentlich auch meine Werte?» Mit dieser Gretchenfrage steht und fällt nämlich Ihre Zivilcourage. Denn wenn Ihnen die genannten Werte als gültige soziale Spielregeln nicht wichtig wären, wenn es Ihnen eigentlich vollkommen egal wäre, wie der Nachbar seine Kinder behandelt oder ob Frau Lüthi im Büro mit immer fieseren Mitteln langsam in den Wahnsinn gemobbt wird oder ob der schwule Urs besser doch nicht auf die Party eingeladen werden sollte, weil man auch den homophoben Peter eingeladen hat und keinen Ärger will, wenn Sie also eigentlich der Ansicht wären, das alles ginge Sie gar nichts an – dann wäre es auch sinnlos, von Ihnen zu erwarten, dass Sie irgendwo Zivilcourage beweisen…

Handeln Sie zivilcouragiert, weil Sie es wollen, nicht weil Sie es sollen!
Erstellt am: 07.09.2010 | Geändert am: 21.08.2015


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