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Was bedeutet Menschenhandel?

Seit einiger Zeit versucht die internationale Gemeinschaft eine gemeinsame Definition zu finden. Damit könnte das Ausmass des Phänomens Menschenhandel nicht nur besser erfasst werden, es könnte auch eine gezieltere globale Strategie gegen den Menschenhandel erarbeitet werden. Mit dem Zusatzprotokoll der Vereinten Nationen zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels hat die internationale Gemeinschaft eine Basis geschaffen.

Definition: Menschenhandel

Die im schweizerischen Strafgesetzbuch verbotenen Handlungen (Art. 182 StGB) basieren auf der oben genannten internationalen Definition des Menschenhandels und bestraft folgende Tätigkeiten: Menschen anwerben, anbieten, vermitteln, beherbergen oder annehmen zum Zwecke der Ausbeutung. Die Ausbeutung kann sowohl sexuelle Ausbeutung, wie auch Ausbeutung der Arbeitskraft bedeuten. Aber auch die Entnahme von Körperorganen zwecks Handels stellt eine Form von Ausbeutung dar.

  • Unterwerfung: Das Unrecht besteht in der Ausnützung einer Machtposition durch den Täter und in der Aufhebung des Selbstbestimmungsrechts des Opfers.
  • Handel: Handel liegt vor, wenn ein Mensch gegen Entgelt oder sonstigen Vorteil in die Obhut oder den Gewahrsam eines anderen Menschen übergeben wird. Kennzeichnend ist, dass dabei über Personen wie über Waren verfügt wird, die beliebig gekauft und verkauft werden können. Zudem handelt es sich um ein Ausbeutungsverhältnis.
  • Ausbeutung: Dies bedeutet, dass sich der Täter skrupellos andere Menschen zunutze macht und somit aus der Beeinträchtigung der Verfügungs- und Bestimmungsmacht dieser Opfer Vorteile zieht. In der Prostitution geschieht dies beispielsweise durch Einzug der von der Zwangsprostituierten erwirtschafteten Gewinne durch die Täter.
Definition: Menschenschmuggel

Menschenhandel ist nicht dasselbe wie Menschenschmuggel. Beim Menschenschmuggel zahlt der illegale Einwanderer die Schmuggler, um in das gewünschte Land einzureisen, meist unter sehr beschwerlichen Umständen. Beim Menschenhandel hingegen, müssen nicht mehrere Länder im Vermittlungsprozess eingeschlossen sein. Da Personen, die über die Grenzen geschmuggelt werden, anschliessend oft durch Schuldknechtschaft, Nötigung oder mit Hilfe von Gewalt in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht und ausgebeutet werden, endet für viele der Menschenschmuggel, der durchaus gewollt sein kann, im Menschenhandel. Das Verbot zum Menschenschmuggel ist nicht wie der Menschenhandel im Strafgesetzbuch verankert, sondern im Artikel 116 (Förderung der rechtswidrigen Ein- und Ausreise sowie des rechtswidrigen Aufenthalts) des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer festgelegt.

Formen des Menschenhandels

Menschenhandel ist ein Überbegriff der in verschiedene Formen der Ausbeutung unterteilt werden kann. Die internationale Gemeinschaft unterscheidet zwischen der sexuellen Ausbeutung, Ausbeutung der Arbeitskraft und der Entnahme menschlicher Organe. Der Handel mit Kindern kann zum Zweck all dieser Ausbeutungsformen geschehen.

Quelle: Bundesamt für Justiz (2001). Bericht der interdepartementalen Arbeitsgruppe Menschenhandel an das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement

  • Handel zwecks sexueller Ausbeute:
    Als sexuelle Ausbeutung werden nebst der Prostitution auch das pornografische Darstellen und die Herstellung von pornografischem Material verstanden. Opfer des Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung sind hauptsächlich Frauen und Kinder. Die folgenden Ausführungen beschränken sich auf den Handel mit Frauen.
    Ausreisewillige Frauen und Mädchen werden in ihren Heimatländern gezielt durch Stellenvermittlungsagenturen, Zeitungsannoncen und durch direktes Ansprechen, z.B. in Diskotheken, angeworben. Häufig wird ihnen eine seriöse Arbeitsmöglichkeit (z.B. als Kellnerin, Babysitterin oder Fotomodell) oder eine Eheschliessung versprochen, oder aber sie werden zwar als Tänzerinnen oder Prostituierte angeworben, über die tatsächlichen Arbeits- und Lebensbedingungen jedoch unvollständig und wahrheitswidrig informiert. Die Händler organisieren den Grenzübertritt in die Schweiz: er erfolgt entweder legal mit Touristenvisum oder mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung oder illegal mit gefälschten Ausweispapieren, über visumsfreie Länder, über die «grüne Grenze», durch Familiennachzug bei Scheinehen usw. In die Schweiz gelangt, nehmen die Händler den getäuschten Frauen ihre Papiere und allfällige Rückflugtickets ab und übergeben sie an Bordellbetreiber und Zuhälter, die sie «bestellt» und bei ihren Schleppern «ausgelöst» haben. Durch die horrenden Vermittlungsgebühren haben sich die Opfer vielfach verschuldet und sind in hohem Masse erpressbar. Sie arbeiten illegal in Massagesalons, Wellness- und Saunaklubs, in Hotelbars, auf dem Strassenstrich oder bei einem Escort-Service.
     
  • Handel zwecks Ausbeutung der Arbeitskraft:
    Für Arbeitsmigranten und Migrantinnen führt der Zugang zum Arbeitsmarkt ohne Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung zumeist über illegale Arbeitsvermittler und Schlepper, die dafür ein hohes Entgelt verlangen. Zum Teil werden den Opfern falsche Zusicherungen über die Möglichkeiten der Beschäftigung im Ausland und die Höhe der Entlohnung gemacht. Häufig stellt aber auch ein geringes Gehalt die bessere Alternative zur Arbeitslosigkeit im Heimatstaat dar; über die Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen wird im Vorfeld meist gar nicht verhandelt. Kennzeichnend für den Arbeitnehmerhandel ist das gezielte Ausnutzen des ausländischen Arbeitnehmers durch Umgehung arbeitsrechtlicher Verpflichtungen, wie den Arbeitsbedingungen, die Entlohnung sowie die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Zur Kategorie des Arbeitnehmerhandels zählt auch die Vermittlung als Hausangestellte in Privat- oder Diplomatenhaushalte, wo zum Teil sklavereiähnliche Arbeitsbedingungen herrschen: Ausbeutung und Gewalt reichen dabei von keiner oder sehr schlechter Bezahlung, Essensentzug, psychischer Misshandlung, fehlender Freizeit, Isolation bis hin zu Körperverletzung und sexueller Gewalt. Die Gastronomie, das Baugewerbe und die Textilindustrie können in seltenen Fällen ebenfalls zu den Arbeitgebern zählen, die auf die billigen Arbeitskräfte zurückgreifen, wenn sie kurzfristig Personal brauchen.

  • Organhandel:
    Diese Unterkategorie des Menschenhandels ist umstritten. Nicht alle nationalen rechtlichen Normen integrieren die Organentnahme zwecks Handel in ihrer Definition des Menschenhandels. Obwohl diese Form des Menschenhandels in der Schweiz bislang ein Randphänomen des Menschenhandels darstellt, beschloss der schweizerische Gesetzgeber die Organentnahme zwecks Handels als eigenständige Form des Menschenhandels in die Definition aufzunehmen.
    In den Industriestaaten liegt das Angebot an menschlichen Organen deutlich unter der Nachfrage, sodass ein weltweiter Schwarzmarkt entstanden ist, auf dem die Organvermittlung durch private Initiative erfolgt. In Zusammenhang mit dem Menschenhandel interessieren namentlich die «Lebendspenden» von paarigen Organen (Niere, Lungenflügel) oder solchen Organen, von denen nur Segmente verwendet werden (beispielsweise bei der Leber). Diese werden durch Zahlung eines Kaufpreises an Spender vor allem in Dritt-Welt-Staaten erstanden. Organentnahmen ohne Einwilligung des Opfers dürften allerdings die Ausnahme darstellen. Ausmass und Umfang des Organhandels sind indes nicht bekannt und die Abgrenzung zwischen legalem und illegalem Handel ist umstritten.

  • Kinderhandel:
    Die Nachfrage nach Kindern in Westeuropa erfolgt in der Regel mit Blick auf eine Adoption oder um sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen (Kinderpornografie und Kinderprostitution). Gelegentlich werden Kinder auch zur Begehung von Straftaten eingesetzt (insbesondere von Vermögens- und Betäubungsmitteldelikten) oder zum Betteln gezwungen. Es sind zum Kinderhandel in der Schweiz keine konkreten Fakten bekannt. Im Prostitutionsgeschäft mit Frauen aus der Dritten Welt und Ostereuropa sollen allerdings zunehmend Frauen mit minderjährigen Kindern gesucht werden, sodass Frauenhandel zum Teil in Kinderhandel übergeht. Ausserdem nimmt die Anzahl an minderjährigen Bettlern und Strassenmusikanten in den Schweizer Grossstädten stetig zu. Auch unbegleitete Kinder und Jugendliche, die auf ihren Asylantrag einen Nichteintretensentscheid erhalten und in der Schweiz untertauchen, sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, Opfer von Menschenhändler zu werden.

Erstellt am: 07.09.2010 | Geändert am: 21.08.2015

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